12 SepFeuer – direkt nebenan

Der 26.08.2021 war eigentlich ein ganz normaler Donnerstag. Ich bin wie immer aus dem Büro nach Hause gekommen und Erik hat wie so oft Lina ins Sternenfeld gebracht. Wir saßen noch ein wenig im Garten, als der kleine Luan von nebena rübergewunken hat, dass er nun mit Papa zum Fußball fahren würde. Wir wünschten ihm viel Spaß. Erik hat sich dann aufgemacht und ich habe mit Lina noch ein paar Kleinigkeiten besprochen und wollte dann zum Einkaufen radeln. Lina wollte mich partout nicht begleiten, also bin ich allein los. Kaum hatte ich mein Rad auf dem Giesenkirchener Marktplatz angeschlossen und mich ein wenig orientiert, klingelte das Telefon. Lina war dran – ich wollte schon scherzen, warum sie jetzt schon anrief, ich war ja kaum weg. Aber sie meinte, dass es nebenan brennen würde. Ich bat sie nachzuschauen, bei welchem Nachbarn (dem rechts) und ob da Erwachsene wären. Denn ich vermutete, dass im Garten Laub verbrannt werden würde oder der Grill qualme – was man halt vermutet. Lina meinte dann, dass das alles größer wäre. Ich blickte dann vom Giesenkirchener Marktplatz gen daheim und sah die große Rauchwolke – da war in der Tat Gefahr im Verzug. Deshalb rief ich sofort die Feuerweh an, die schon Bescheid wusste. Ich sauste dann wie der Wind wieder nach Hause. Insgesamt war ich keine 10 Minuten unterwegs. Als ich fuhr, war die Welt noch in Ordnung – als ich zurück kam, stand das Nachbarhaus in Vollbrand und die Feuerwehr war schon da. Zum Glück ist es vom Stockholtweg nicht weit.
Der Brand breitete sich ruckzuck aus und Lina und ich verließen dann doch das Haus. Der Qualm war dicht und stinkend. Zuerst löschte die Feuerwehr nur von vorne, später dann auch hinten vom Stähn aus. Lina war ziemlich mit den Nerven durch und weinte zwischendurch panisch. Dann war sie wieder gefasst, um dann wieder in Tränen auszubrechen. Wir hatten mit Erik telefonisch ausgemacht, dass er herkomme. Er hat Lina dann mit zur Königstraße genommen, um sie aus der Schusslinie zu holen. Auch weil der Gestank echt fies war.

Peu a peu erfuhren wir dann, was passiert war: Die Nachbarin war mit der zweijährigen Lia im Obergeschoss, als es im Erdgeschoss (wohl in der Küche) anfing zu brennen. Zu den Spekulationen zur Brandursache möchte ich hier nichts schreiben – es gehen sehr viele Gerüchte in der Straße herum, die mehr oder weniger wahrscheinlich sind. Diese möchte ich nicht weiter befeuern (höhö). Weil die Nachbarin das Haus nicht verlassen konnte, rief sie – zum Teil telefonisch – die Nachbarn um Hilfe und kletterte mit einer Leiter aus dem Haus und war gerettet. Leider hat der Hund es nicht geschafft…
Die Feuerwehr öffnete das Dach und löschte von oben, weil sie das Haus schon nicht mehr betreten konnten. Leider musste aus das Nachbarhaus auf der rechten Seite geöffnet werden.

Zum Glück befindet sich zwischen dem brennenden Haus und meinem eine Baulücke von etwa 7m. Trotzdem hatte ich zwischendurch doch etwas Angst um mein Haus. Auch durfte ich das Haus lange nicht betreten. Die Nachbarn links neben mir und gegenüber durften aber wieder rein. Nach etwa anderthalb Stunden konnte ich dann wieder reingehen. Luzy-Katze war ziemlich verstört und lief im Haus herum – Fritzekatze war nirgends zu sehen. Ich vermutete ihn draußen. Später entdeckte ich ihn dann, weil er sich in Linas Zimmer versteckt hatte. So lange die Feuerwehr noch in der Nähe war, hab ich sie nicht rausgelassen. Auch danach waren sie noch ziemlich verstört.
Drinnen habe ich dann gerochen, wo überall Fenster offengestanden hatten. Der Rauch war auch in unser Haus gezogen. Nachdem die gröbsten Löscharbeiten erledigt waren, konnte ich Querlüften und den Geruch wieder vertreiben. Er war zum Glück nicht so intensiv.  Die Wäsche, die auf der Leine hing, konnte ich aber komplett nochmal waschen – und auch dann ging der Geruch zuerst nicht komplett raus. Nach der erneuten Wäsche kann ich nichts mehr erriechen.
Die Feuerwehr hatte das Haus zuguterletzt noch mit Schaum geflutet, der dann auf die Straße floss. Was sehr imposant aussah… Gegen 21.30Uhr ist die Feuerwehr dann abgezogen, kam aber in der Nacht nochmal zum Nachlöschen zurück.

Die Schäden an meinem Haus sind marginal. Hier warte ich aber noch auf die Einschätzung des Sachverständigen der Versicherung. Der hat sich bislang nicht bei mir gemeldet – wahrscheinlich hat er im Ahrtal wichtigeres zu tun? Das Haus rechts neben dem ausgebrannten Haus ist komplett unbewohnbar wegen der Schäden durch das Löschwasser. Es wird gerade leergeräumt. Besonders tragisch ist hier, dass die Leute auch erst zum Jahreswechsel eingezogen sind und gerade erst alles frisch renoviert hatten.
Auch das Haus daneben hat reichlich Russspuren.

Wie ich von Kollegen aus anderen Fachbereichen erfahren habe, ist das Haus zum Glück nicht einsturzgefährdet. Es kann wahrscheinlich auch saniert werden und muss nicht abgerissen werden. Was mit der Brandruine nun passiert, können aber nur die Versicherung bzw die Eigentümer sagen. Diese sind inzwischen in einer Wohnung im Meerkamp untergekommen.

Übrigens bin ich so mal ins Gespräch mit den meisten Nachbarn gekommen. Durchweg nette Leute. Leider wussten sie zu berichten, dass in den vergangenen 12 Jahren etwa jedes zweite Jahr ein Haus in der Straße ausgebrannt sein – o je.

Nun steht also eine Ruine direkt neben meinem schmucken Eigenheim. In den letzten Tagen haben Handwerker mit einem Steiger die losen Teile herausgeholt, so dass nun erstmal nichts mehr runterfallen kann.
Ich werde berichten, wie es hier weitergeht.

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