26 OctBackpulver und ich

Wenn ich einen Kuchen backe, so gebe ich nach Rezept Backpulver hinzu. Einige Kuchen benötigen viel Backpulver, was bei  mir immer zur Folge hat, dass ich nach dem Genuss des Kuchens immer so ein komisches pelziges Gefühl auf den Zähne habe. Insbesondere Amerikaner und ähnliche finde ich deshalb zwar eigentlich sehr lecker, aber danach will ich mir die Zähne putzen.

So ein Internet ist ja was Feines und dort habe ich dann mal nach Alternativen geforscht und bin sogar fündig geworden. Denn ich bin nicht der einzige Mensch, dem es so geht! Offenbar gibt es irgendwelche genetischen Dispositionen (ähnlich wie Zunge Rollen oder Spargel-Pipi-Geruch), die nur einige Menschen trifft. Und es gibt in der Tat eine Alternative, nämlich Weinsteinbackpulver. Offenbar ist des das Phosphat im Backpulver, das sich auf meine Zähne legt.

Und wenn wir schon mal über Backpulver sprechen, so drösele ich die Zusammenhänge mal auf.

Unser klassischen Backpulver besteht aus Dinatriumdihydrogendiphosphat, Natriumhydrogencarbonat und Maisstärke.Das Weinsteinbackpulver hingegen besteht aus Monokaliumtartrat, Natriumhydrogencarbonat und Maisstärke.

Was der gemeine Amerikaner so „Baking Soda“ nennt, ist übrigens das, was wir Natron nennen. Chemisch also Natriumhydrogencarbonat. Um daraus unser Backpulver zu machen, muss man also nur ein bißchen Dinatriumdihydrogendiphosphat hinzufügen… Der gemeine Amerikaner nutzt aber auch „Baking Powder„, was wieder unserem Backpulver entspricht.

In diesem Zusammenhang verweise ich dann auch noch auf das Waschsoda. Dabei handelt es sich um Natriumcarbonat. Damit kann man übrigens hervorragend fettige Küchenoberflächen reinigen, aber hier soll es ja ums Backen gehen.

In der kleinen Backtriebmittelschau darf dann auch das Hirschhornsalz nicht fehlen. Dabei handelt es sich in erster Linie um Ammoniumhydrogencarbonat. Details zum  Hirschhornsalzund seiner Benutzung kann man bei der Wikipedia nachlesen. Aber weil wir ja in der Kathegorie „Besserwisser“ sind, kann ich hier eine kleine Anekdote anmerken. Denn ich habe irgendwann mal gehört/gelesen/gesehen, dass der Name des Amerikaners sich indirekt über das Hirschhornsalz herleitet. Denn er wurde zuerst „Ammoniakaner“ genannt. Das kann man nicht nur schwer schreiben, sondern auch aussprechen. Deshalb wurde der Name zu „Amerikaner“ abgeschliffen. Trotzdem lecker.

Ich bin ja eher in der Physik verhaftet und nicht in der Chemie. Deshalb sagen mir diese ganzen NaHCO3 + H+ → Na+(aq) + CO2 + H2O Formel gar nichts. Diese Zusammenhänge können andere besser erklären als ich.

Ich bin in erster Linie froh, dass mir der Kuchen nun noch besser schmeckt. Und vielleicht konnte ich ja für den ein oder anderen Leser ein Problem lösen, von dem noch gar nicht bekannt war, dass es ein solches ist.

Weinsteinbackpulver ist zwar eigentlich doppelt so teuer wie normales Backpulver. Aber weil der Preisunterschied im Endeffekt pro Kuchen nur wenige Cent ausmacht, nehme ich die Mehrkosten wirklich sehr gerne in Kauf. Es ist im normalen Supermarkt im Backregal erhältlich, manchmal auch als „Bio Backpulver“ gekennzeichnet, wobei ich mich frage, was daran bio sein soll!?!

 

P.S.: Und hier der Ausschnitt aus _dem_ Kochbuch von Henriette Davidis. Übrigens 32.Auflage von 1900:  backpulver-davidisMacht unverholen Werbung für Dr.Oetker.

Leave a Reply