28 NovDas liebe Geld

Damals, damals als ich noch ein Kind war, war das mit dem Geld und der Spardose ganz anders, als es heute ist.

Man hat irgendwann als Kind ein Konto eröffnet bekommen und von der jeweiligen Bank/Sparkasse gab es als Geschenk erstmal fünf Mark darauf. Dann ist man jedes Jahr zum Weltspartag am 31.10. in seine Bank gepilgert und hat die Spardose, deren Inhalt sich aus Taschengeldresten, Zeugnisgeld und milden Gaben der Verwandten zusammensetzte, dort abgegeben. Diese wurde dann geöffnet und das Münzgeld wurde dann durch diesen faszinierenden Geldzählautomaten geschickt. Das ersparte Geld wurde dann sofort dem Konto gutgeschrieben und es kam noch die Zinsen des Jahres hinzu. Man hat also sofort gesehen, wie sich das Geld vermehrt, wenn man nur tapfer  genug spart. Als Bonus gab es dann noch das Gewinnsparen, bei dem ich IIRC mal 1000DM gewonnen hatte. Und dazu gab es dann noch ein Werbegeschenk der Bank, das mehr oder weniger zweckmäßig war: Turnbeutel oder ähnliches.

Heute ist der Weltspartag ganz anders. Zuerst war es damals ein ziemlicher Kampf überhaupt das Konto zu eröffnen für das Kind. Es gab von der Bank auch nichts dazu. In den letzten Jahren haben wir Geldsummen, die wir von Verwandten erhalten haben, in unregelmäßigen Abständen darauf eingezahlt. Inzwischen ist Lina so alt, dass sie den Wert von Geld langsam zu verstehen beginnt und deshalb wollte ich dieses Jahr zum Weltspartag in die Sparkasse gehen und das oben erlebte durchspielen.
Doof ist erstmal, dass es keinen Weltspartag mehr gibt, sondern eine Weltsparwoche. Wenn überhaupt. Man gibt also das Geld ab und es wird in einen Plastikbeutel gefüllt, der dann in eine Zentrale zum Zählen gebracht wird. Also verliert das Kind schonmal komplett den Bezug zwischen dem eingezahlten Geld und den Zahlen auf dem Konto. Denn man darf dann gut eine Woche später wieder kommen und bekommt dann das Gezählte gutgeschrieben. Dazu gibt es dann entweder ein Kuscheltier oder aber eine Münze, mit der man einen kleinen (2€) Rabatt im Kino bekommt. Wenn man dann in jedem Quartal mindestens 10 Euro eingezahlt hat, dann bekommt man an Ende des Jahres eine (wieauchimmergeartete) Überaschung.

Das finde ich alles sehr schade, weil den Kindern so das Gefühl für das Geld und seinen Wert im Kreislauf verloren geht. Ich habe das Lina zwar anschaulich erklärt und rechne Dinge immer in die Währung „Ü-Eier“ um, aber trotzdem kann sie das alles nicht wirklich einschätzen, weil das Unmittelbare fehlt. Kein Wunder, dass die Kids heute nicht mehr mit Geld umgehen können.

Übrigens bin ich heute noch Kundin bei der Bank aus Kindertagen. Die ist zwar inzwischen mehrfach umfirmiert worden von der „Volksbank Beelen“ über „Volksbank Clarholz-Lette-Beelen“ in „Volksbank im Ostmünsterland“ und ich habe immer amüsierte Gesichter geerntet, wenn ich meine Bank genannt habe. Aber dem Online-Banking ist es egal und die Gebühren sind auch nicht mehr oder weniger als anderswo. Nicht unwesentlich dazu beigetragen hat natürlich meine Prägung aus der Kinderzeit.

 

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